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Wozu persönliche Veränderung?

Erneuerung von innen nach aussen, Einheit 14


Bibeltext: 5. Mose 6,20-25; Johannes 15,9-17

Rückblick

In L 13 haben wir überlegt, was mit dem Wort Heiligung gemeint ist, und gesehen, dass Heiligung den lebenslänglichen Prozess beschreibt, in dem Gott unser ganzes Leben immer mehr durchdringt und uns so umgestaltet, dass wir Jesus Christus ähnlich werden. Das geschieht durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt und uns in diesem Veränderungs-prozess anleitet. Wir sind herausgefordert, uns und unser ganzes Leben ihm zu öffnen und ihn wirken zu lassen. Wir sind herausgefordert, das Steuer unseres Lebensautos ihm zu überlassen.


Hinführung

Ein wichtiger Aspekt von Heiligung ist Erneuerung, Verwandlung, Veränderung. Gott verändert uns. Wir verändern uns durch sein Wirken in uns. Jemand schrieb: ‚Wir sind, was wir sind’ – und so liebt Gott uns –, ‚aber wir sind noch nicht, was wir sein werden’ – nämlich Menschen, die das Bild Jesu, die vollkommene Liebe Gottes widerspiegeln. Zu dem verwandelt uns Gott, und er ist jetzt daran, heute morgen.

Aber wozu eigentlich? Wozu Veränderung? Was will Gott damit? – Das ist das Thema von heute. L 14 befasst sich damit. Ich nehme die Antwort von heute, wie ich sie in Joh 15 finde, vorweg: Persönliche Veränderung führt dazu, dass die Freude in unserem Leben vollkommen wird! Joh 15,9-12


Im Geliebt-Werden bleiben

Lehnt euch für einige Augenblick zurück und lasst die folgenden Worte in euer Herz fliessen wie an einem heissen Sommertag frisches Wasser. Es ist eine freie Zusammenstellung von biblischen Aussagen, die mit verschiedenen Bildern beschreiben, was Jesus meint, wenn er sagt: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt“.

„Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn. Ich liebe Dich mit einer unendlichen Liebe. Ich habe Dich gesehen, bevor du geboren wurdest. Noch bevor Du sprechen konntest, noch bevor Dich Deine Mutter berühren konnte, habe ich Dich bei Deinem Namen gerufen. Ich habe Dich im Körper Deiner Mutter zusammengefügt. Du bist mein und ich bin Dein. Du bist der, der zu mir gehört, und ich möchte zu dir gehören. In meiner Umarmung bist Du sicher, was immer geschieht. In meinen Augen bist Du kostbar. Ich juble laut, wenn ich Dich sehe. Du bist so kostbar wie mein Augapfel. Du bist mein Kind. Du gehörst zu mir und bist immer ein Teil meiner Gedanken, Du bist immer in meinem Herzen. Ich lasse Dich nie, niemals allein. Ich werde daran festhalten, dass Du meine geliebte Freundin, mein geliebter Freund bist.“ (nach: 1. Thess. 1,4 / Joh. 10,27+28 / 13.34 / 15,9 / Eph. 1,4 / Matth. 3,17 / Jes. 43,4 / Zeph. 3,14f. / Ps. 139, 13-16)


Voll Freude

Und dann sagt Jesus: Meine Freunde, bleibt in meiner Liebe, damit meine Freude in euch ist, und damit eure Freude vollkommen wird! Damit ihr nichts mehr fehlt.’ Das ist es, damit Jesu Freude in uns ist und unsere Freude vollkommen wird. Ansatzweise schon jetzt, ganz in der Ewigkeit. Das ist das tiefste Anliegen Jesu, das bewegt ihn, darum ringt er. Dafür gab er sogar sein Leben. Damit unsere Freude vollkommen wird.

Kennt ihr auch Menschen, die diese Freude haben und wo sie so richtig spürbar ist. Natürlich, wohl fast alle von uns haben diese Freude schon erlebt und erleben sie ab und zu. Aber ich kenne Menschen, da ist diese Freude auf besondere Weise da, eine innere Ruhe, ein Friede, ein strahlendes Licht in ihrem Herzen. Man spürt es sofort, wenn man ihnen begegnet. Wenn sie einen Raum betreten, wird es hell. Nein, nicht dass sie immer fröhlich wären oder dass es ihnen immer gut ginge. Ich denke an jemand, der immer wieder schwere Zeiten hat. Aber sogar dann spürt man: in seinem Herzen ist Jesu Freude. Sie ist einfach da.

Es ist auch nicht so, dass dies mit den äusseren Umständen zusammenhängen würde. Ich denke an Frank. Er war Geschäftsleiter einer Firma. Aber dann hat er diesen Job aufgegeben und die Leitung eines kleinen Hilfswerks übernommen. Er hat natürlich viel weniger verdient und sein soziales Umfeld war pötzlich ein ganz anderes. Doch das war für ihn unwichtig. Denn hier konnte er Menschen, die am Rand der Gesellschaft lebten, zeigen, dass sie Gott und ihm wichtig waren. Diese Aufgabe gab ihm viel mehr, als er aufgab, und bis heute – er ist pensioniert – strahlt er eine tiefe Freude aus.


Verspielte Freude

Wozu persönliche Veränderung? Eben damit die Freude Christi in uns ist und damit auch unsere Freude vollkommen wird. Ja, damit es andern, die uns begegnen, warm um’s Herz wird. Du sollst diese Freude auch erfahren, du sollst dich mitfreuen. Freude soll auch dein Herz erfüllen. Ja noch mehr: Sie soll überfliessen und immer weitere Kreise ziehen. Das tut Gott auch für dich! Wie könnte er anders, wenn er doch jubelt, wenn er dich sieht!

Aber du kannst die Freude, die für dich da ist, verspielen. Darum ringt Jesus ja um seine Nachfolger, um seine Gemeinde. Darum ringt Gott um seine Kirche. Darum ringt Gott um dich!

Viel Freude wird verspielt. Wir kommen zurück zum Thema Veränderung. Wir erleben Menschen, die wollen sich nicht oder nicht mehr verändern lassen, die wollen nicht Jesus-ähnlich werden. Viel Freude wird zurückgewiesen, weil Menschen ihre eigenen Bedürfnisse an die erste Stelle setzen und darum ihre eigenen Wege gehen. Viel Freude wird verspielt, weil Menschen sich oder bestimmte Lebensbereiche vom Heiligen Geist nicht umgestalten lassen. Viel Freude wird in ihr Gegenteil verkehrt, weil Menschen zufrieden sind mit dem, was sie sind. Viel Freude wird weggeworfen, weil Menschen sich aufgegeben haben und vom Kämpfen müde sind.

So bleibt alles beim Alten, über Jahre. Alte Verletzungen werden nicht angegangen. Alte Verhaltensmuster werden nicht aufgebrochen. Die gestrigen Probleme sind die heutigen und werden auch die morgigen sein. So schleppen sie sich dahin über Jahre. Es ist als ob die Uhr stehen bleiben würde. Nein, da hat Freude kein Platz. Da kann sich Freude nicht ausbreiten. Da wird das Leben vertan. Da „tötelet“ es.

Wie sieht es bei dir aus? Verspielst du die Freude auch?

Aber so soll es nicht sein! So muss es nicht sein! Wach auf! Sei ein guter Haushalter über Jesu Freude! Freude soll dich doch erfüllen! Bleib in seiner erneuernde Liebe! Lass dich vom Heiligen Geist umgestalten! Werde christus-ähnlich! Du kannst Jesus Christus deine Not sagen. Du kannst ihn um Hilfe bitten: ‚Herr, du siehst mein Elend, hilf mir!’ Und er erhört dein Gebet und wird das Lenkrad deines Lebensautos übernehmen.


Die Gemeinde als Ort der Freude

Und noch etwas. Gott sei Dank, wir sind nicht alleine. Wir gehören ja zur Gemeinde. Jesu Gebot heisst: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe, damit meine Freude in euch ist und eure Freude vollkommen wird. Das ist uns nämlich auch als Gemeinde gesagt. Die Gemeinde als Ort der Freude. Die Gemeinde als Ort, wo Menschen Annahme und Liebe erfahren. Die Gemeinde als Ort, wo Menschen verwandelt und christus-ähnlich werden. Gott hat die Kirche geschaffen und ihr seine Freude anvertraut. In der Gemeinde berührt die Freude, die vom Himmel kommt, die Erde.

Aber auch die Gemeinde kann das ihr Anvertraute verspielen und aus der Liebe und der Freude herausfallen. Da, wo man einander aufgibt und nicht mehr an persönliche Veränderung glaubt. Wo man den andern verloren gibt und nicht mehr um ihn ringt. Wo es einem egal ist, was der andere ist, und ob er wird, was er werden kann. Wo man den Mut nicht mehr aufbringt, einander auf Persönliches anzusprechen. Da, wo es so läuft, ist bald keine Freude mehr. Aber Liebe gibt niemanden auf, Liebe gibt niemanden verloren, lässt niemanden in seiner Not liegen.

Liebe – eine weitere Gefahr – bleibt auch nicht im Mitleid stecken. Das passiert ja gerne, dass man sich von der Not des andern vereinnahmen und missbrauchen lässt. Der andere missbraucht unser Mitgefühl, um auf diesem Weg Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen. Er baut sein Selbstwertgefühlt letztlich auf seine Not und braucht die andern dazu. Aber so wird heilsame Veränderung verhindert. Echte Liebe macht sich nicht zum Kumpan des Elends. Bleibt nicht beim Ist-Zustand stehen.

Nein, Liebe geht mutig und demütig auf den andern zu, setzt sich zu ihm, teilt die Not, trägt mit. Liebe ringt um den andern, wagt es darum auch, ihn am Arm zu nehmen und mit ihm aufzustehen – zu kämpfen gegen die Not. Liebe unternimmt alles, damit Christus im Bruder oder der Schwester Gestalt gewinnt. Liebe engagiert sich dafür, dass die Geschwister christus-ähnlich werden, damit die Freude in ihnen vollkommen wird.

Liebe Gemeinde, das ist mein Wunsch: Ich wünsche mir Menschen aus der Gemeinde (und bin von Herzen dankbar, dass ich solche habe), die auf eine gute Art auf mich zukommen und mir helfen, christus-ähnlich zu werden. Klar, nicht von oben herab, nicht besserwisserisch, sondern als Menschen, die auf dem gleichen Weg sind wie ich und genauso auf die barmherzige Liebe Gottes und auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Das wünsche ich mir, dass sie sich dann zu mir setzen, mit mir überlegen, welcher der nächste Schritt ist, (mich vielleicht sogar einmal in den Arm nehmen). Mich dann aber am Arm ergreifen, mit mir zielstrebig den nächsten Schritt gehen und dann den übernächsten und den überübernächsten.

Es wäre schlimm, wenn die Gemeinde gleichgültig zuschauen würde, wie ich ins Abseits laufe. Es wäre schlimm, wenn wir zuschauen würden, wie irgendjemand von uns liegen bleibt. Gleichgültigkeit oder falsches Mitleid ist das Gegenteil von Liebe und vertreibt die Freude. Das soll nicht sein! „Liebt einander! Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“

Ich weiss gar nicht, ob ich diese Geschichte schon einmal erzählt habe: Es war vor einigen Jahren an der Olympiade der Behinderten im 400 m-Final. 8 Behinderte stehen am Start. Der Startschuss fällt und sie laufen los. Sie laufen, wie sie eben können. Dann, 30-40 Meter vor dem Ziel. Einer strauchelt und fällt hin. Aus der Traum vom Sieg, Pech gehabt. Aber da passiert etwas Unerwartetes: Einer der übrigen Läufer stoppt seinen Lauf und humpelt zum Gestürzten, richtet ihn auf, greift ihm unter die Arme. Er kann nicht mehr richtig, aber der andere ergreift ihn, humpelt mit ihm weiter. Die anderen sehen es. Sie bremsen auch, können nicht einfach tun, wie wenn nichts wäre. Jetzt greifen sie sich allesamt unter die Arme, der Gestürzte in der Mitte. Und dann laufen sie und schleppen sich gemeinsam ins Ziel.

Liebe Gemeinde, das ist es doch! Das macht Freude, die Erfahrung und die Gewissheit, dass keiner liegen gelassen wird. Jeder kommt am Ziel an, alle miteinander. Schon auf den letzten Metern die Vorfreude. Und dann erst am Ziel! Vollkommene Freude. Alle feiern.

Übrigens, das habe ich gerade in der JS erfahren, dass man einander bis ins Ziel hilft. In den Wettkämpfen an den Schweizertreffen z.B. Ich erinnere mich an eines im Emmenthal. Die Kleinsten wurden zum Schluss ins Ziel getragen. So kamen alle am Ziel an, alle miteinander. Die Freude war gross, auch wenn die JS Weissenstein nicht gewann.

Wozu persönliche Veränderung? Wozu Umgestaltung? Wozu christus-ähnlich werden? Damit seine Freude unter uns ist. Damit unsere Freude vollkommen wird. Amen.


Stefan Zürcher, Pfr. - 17. März 2007