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Heiligung


Einleitung


Die heutigen Gedanken über „Heiligung“ brauchen als Grundlage die Gewissheit, dass du gerettet bist - vgl. meine Predigt vom 12. März zum Thema "Rettung". Dabei blieb ich ganz grundsätzlich. (Wer die Predigt noch nicht gelesen/gehört hat kann sie über den obenstehenden Link erreichen.)
Die Zusammenfassung dazu:

Lerne unterscheiden zwischen
  • Deiner Rettung (einmal festgemacht)
  • Deinem Heilsweg (ein andauernder Prozess)

Wenn Zweifel bezüglich deiner Rettung aufkommen
  • Angriffe gegen deine Heilsgewissheit kommen nie von Gott. Es sind Anfechtungen von unten.
  • Weise sie im Namen Jesu von dir weg!
  • Berufe dich auf dein Glaubensbekenntnis.

Und ich gebe noch einen obendrauf
  • Wer von euch glaubt, dass er sich den Himmel mit guten Taten verdienen kann?
  • Warum gibt es dann Momente in deinem Leben, in denen du denkst, du könntest durch Sünde Gottes Liebe verlieren?
  • Diese beiden Gedanken gehören zusammen: Wenn sich die Liebe Gottes nicht verdienen lässt, dann hast du es auch nicht in der Hand, seinen Liebes- und Gnadenstrom zu dir zu beenden.
  • Der Herr ist souverän, der Herr ist allmächtig, er ist Liebe und Gnade in Person.
  • Er hat dich schon immer geliebt und er garantiert dir den Freispruch von deinen Sünden und die Rettung vor dem ewigen Verderben von dem Tag an, an dem du ihm dein Leben übergeben hast.

Aber nun wollen wir uns dem heutigen Thema „Heiligung“ widmen.
Ich werde die Grundlagen wieder aus Bibelstellen ableiten, denn die Bibel enthält alle Weisheit und Erkenntnis. Anschliessend werde ich versuchen aufzuzeigen, was Heiligung im Alltag bedeutet.
In den Formulierungen werde ich grösstenteils die WIR Form anwenden, denn leider kann ich nicht vor euch glänzen mit einem durch und durch geheiligten und gereinigten Leben. Auch ich bin unterwegs mit Gott und mit euch.

1. Was bedeutet Heiligung:

Ich möchte die Darstellung, die René Bregenzer von Campus für Christus uns einmal an einer Tankstelle gezeigt hat verwenden, um dies zu verdeutlichen:

 

  • Natürliche Geburt, Erdenleben
  • Geistliche Geburt = Wiedergeburt, Beginn „Ewiges Leben“
  • Heiligung als lebenslanger Vorgang
    • Geistliches Wachstum des neuen Menschen
    • o Abnahme des alten Menschen
  • Physischer Tod, Fortsetzung des Ewigen Lebens

Die Heiligung findet also statt von Beginn unseres christlichen Lebens bis zum physischen Tod.
Gott ruft uns dazu auf in dieser Zeit zu üben, Jesus Christus ähnlich zu werden in …
Röm 8,29Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden, dem ersten unter vielen Brüdern.
1. Petr 2,21...Denn auch Christus hat für euch gelitten, und er hat euch ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt.
Hier steht nicht, dass das Leben Jesu eine Messlatte ist, die wir erreichen müssen, sondern der Wegweiser für ein christliches Leben, an dem wir uns orientieren sollen.
Jesus soll uns ein Beispiel sein, dem wir nacheifern können.

2. Der sündige Mensch:

Dass wir Heiligung nötig haben und Sünder sind muss ich wohl nicht lange ausführen, das ist uns wohl allen grundsätzlich klar. Es heisst in …
Römer 8, 23: Denn darin sind die Menschen gleich: Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte.
Woher kommt das aber? Es ist leider tief in uns drin. Wir haben Gutes, aber eben auch Böses in unserem Herzen. So steht im …
Markus 7, 15 (GN): Nichts, was der Mensch von außen in sich aufnimmt, kann ihn unrein machen. Nur das, was aus ihm herauskommt, macht ihn unrein!
Die HfA redet hier komischerweise als einzige Übersetzung von trennen von Gott.
Wir können es als bösen Einfluss Satans ansehen, dass er uns verführt. In gewissen Fällen oder Situationen mag das auch korrekt sein und helfen. Aber wir sind keine Marionetten, weder von Gott noch von Satan und auch nicht von beiden ein wenig.
Sondern wir sind eigenständige Persönlichkeiten mit einem eigenen Willen, der Gutes und Böses tun kann. Das ist der sündige Mensch und das sind wir unser ganzes Leben lang, ob bekehrter Christ oder nicht.

3. Was hat Gott bereits getan:

Durch das Gesetz, das uns vom auserwählten Volk Gottes, dem Volk Israel im Alten Testament überliefet wurde wird uns vor Augen gehalten, was gut und böse ist. Erst durch das Gesetz wird der Unterschied sichtbar.
Römer 3, 20: Denn kein Mensch wird jemals vor Gott damit bestehen, daß er die Gebote so erfüllt, wie das Gesetz es erfordert. Die Aufgabe des Gesetzes ist es, daß wir die Sünde erkennen.
So wie Jesus für uns nicht die Messlatte, sondern der Wegweiser sein soll, so ist das Gesetz nicht in erster Linie da, um zu verurteilen, sondern um die Verfehlungen aufzuzeigen und zu einer Besserung aufzurufen.
Vor diesem Hintergrund hat Gott vor 2000 Jahren für uns etwas Gewaltiges getan. Jesus Christus ist am Kreuz für dich und mich gestorben.
Er hat unsere Schuld auf sich genommen und über die dunklen Mächte gesiegt. Alles Böse ist besiegt und führt nur noch einen verzweifelten Todeskampf gegen Gottes Reich.
Römer 8, 24-25: Aber was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat. Um unsere Schuld zu sühnen, hat Gott seinen Sohn am Kreuz für uns verbluten lassen.
Der sündige Mensch wünscht sich, von seiner Schuld und Last erlöst zu werden. Erlöst zu werden von Jemandem, der heil und vollkommen ist.
Und Gott ist der Einzige, der uns das zusprechen kann. Denn nur Gott ist heilig. Er ist durch und durch geheiligt. So kann er uns in der Erlösung durch Jesus Christus auch diese Heiligung zusprechen.
Der bekehrte Mensch nimmt das bei seiner geistlichen Geburt, bei seiner Wiedergeburt an. Das ist die Voraussetzung für den Heiligungsprozess, der jetzt beginnen kann.

4. Wie sieht das nun im Alltag aus:

Es heisst in …
Lukas 6, 45 (Luther, sprichwörtlich): Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
Eine Frage ist also, was in unserem Herzen ist und woher das kommt.
Ich möchte euch das mit einem Bild zeigen:

Unser Denken und damit auch unser Reden und Handeln wird positiv und negativ inspiriert von äusseren Einflüssen, aus Zeitung, Fernsehen, Büchern, Musik, Mitmenschen, etc.
Ich kann also massgebend mitbestimmen, mit was ich mein Herz füttere. (Pfeile links unten auf den Menschen zu.)

  • Ich kann mir jeden Morgen die „20 Minuten Zeitung“ zu Gemüte führen und lesen, dass wieder ein Vater seine Familie umgebracht hat
  • Ich kann den neuesten Klatsch aus der Glückpost aufsaugen, welche Adelige nun wieder mit wem geknutscht hat
  • Ich kann Pornografie im Internet konsumieren und Brutalo Filme anschauen und Musik hören, die Gott zuwider ist.
  • Ich kann mich meiner Spielsucht ausliefern und das Leben an mir vorbei ziehen lassen
Diese Liste ist unendlich lang und wir kennen sie nur allzu gut.
Wir können uns aber auch bewusst für andere Kanäle entscheiden und uns von Gottes Informationen füllen lassen. (Pfeile links oben auf den Menschen zu.)
  • Mit regelmässigem Gottesdienstbesuch unter das Wort Gottes stellen.
  • In einer Kleingruppe den Bezug von Gottes Absichten in den Alltag entdecken und üben.
  • Miteinander Loblieder singen wie heute Morgen vor und während dem Gottesdienst.
  • Persönliches Bibelstudium, Gebet, etc.
Das ist ein bisschen „Schwarz/Weiss“ gezeichnet. So einfach ist dies Trennung ja nicht.
Für Gott gibt es dazwischen eine klare Grenze.
Wir Menschen sehen diese Grenze nicht immer so klar.
Gottes direktes Reden dürfen wir auch nicht vergessen. (Pfeil von oben auf den Menschen zu.)
Gott kann uns durch den Heiligen Geist (Taube) ganz direkt füllen. Er ist nicht zwingend auf diese Kanäle angewiesen. Aber er nutzt sie gern.
So wird unser Herz geprägt von Gottes Werten. Seine Liebe, seine Gedanken über dich und deine Umgebung werden zu deinen Gedanken.
Das Alles wird dein Denken, Reden und Handeln prägen. (Dicker Pfeil rechts vom Menschen weg.)
Hab nicht den Anspruch, dass du jeden gelesenen Vers behalten kannst, oder jede Predigt in den Alltag umsetzen kannst. Aber es ist das ständige „sich dem Evangelium aussetzen“, das mit der Zeit dein Verhalten verändert und dich Jesus ähnlicher werden lässt.
So darfst du mit grauen Haaren ein weiser Mensch sein und das wünscht sich doch jeder von uns, oder?

5. Die Hot Spots:

In jedem Leben, in deinem und meinem gibt es gewisse Hot Spots, heisse Punkte. Das ist nicht das ganze Leben lang der gleiche Punkt. Aber im Laufe des Heiligungsprozesses zeigt uns Gott immer mal wieder einen Punkt auf, dem wir besondere Beachtung schenken sollen.
Vielleicht ist es etwas ganz Persönliches, das fast niemanden etwas angeht. Vielleicht sind es Beziehungsprobleme / Eheprobleme. Vielleicht deckt Gott dir etwas auf, was er an dir heilen will.
Das sind oft hartnäckige, tief liegende Verhaltensmuster, die sich nicht einfach durch „streng di echli aa“ aus dem Leben schaffen lassen. Vielleicht haben diese Schwierigkeiten etwas zu tun mit Sünden deiner Vorfahren oder sogar mit dämonischen Bindungen.
Bei diesen Hot Spots ist es wichtig, dass du dir helfen lässt. Von einem Freund / einer Freundin (ich empfehle gleichgeschlechtlich) oder auch von einem Seelsorger / einer Seelsorgerin.
Jesus macht frei. Jesus hat über alle Mächte triumphiert. Der Sieg ist errungen.

6. Verbindung Heiligung / Heilung

Wir finden in der Bibel auch Hinweise, dass Sünden oder psychische Probleme mit körperlichen Beschwerden einen Zusammenhang haben können.
Jakobus 5, 13-16 (HfA): Gebet für die Kranken
13 Leidet jemand unter euch? Dann soll er beten! Wem es aber gut geht und wer Grund zur Freude hat, der soll Gott Loblieder singen. 14 Wenn jemand von euch krank ist, soll er die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen, damit sie für ihn beten, ihn im Namen des Herrn segnen und ihn mit Öl salben. 15 Wenn sie im festen Vertrauen beten, wird Gott den Kranken heilen. Er wird ihn aufrichten und ihm vergeben, wenn er gesündigt hat. 16 Darum sollt ihr einander eure Sünden bekennen und füreinander beten, damit ihr geheilt werdet. Denn das Gebet eines Menschen, der unbeirrt glaubt, hat große Kraft.
Das Gemeindeteam oder auch andere Älteste sind gerne bereit, mit dir zu beten. Wir haben das auch schon gemacht, z.B. nach dem Autounfall in der Gemeindewoche.
Gefährlich oder sogar falsch wäre aber zu behaupten, dass jeder der krank ist, eine besonders schwere Sünde begangen hat oder nicht richtig glaubt.
Wir sollen aber prüfen, wenn jemand ein Dauerleiden hat, oder immer wieder neue Leiden hat, oder dauernd in Unfälle verwickelt ist, woher das kommen könnte. Gott zeigt uns dann eventuell Zusammenhänge auf, die wir bekennen und eliminieren können.
Aber die Initiative muss von dir aus kommen. Du musst den ersten Schritt tun.

7. „Kämpfen“ oder „von Gott verändern lassen“?

Manchmal ist nicht klar, ob man in einer Sache noch intensiver dran bleiben muss, oder ob man eh keine Chance hat, etwas zu verändern und man es besser Gott überlassen würde.
Kennst du diese Frage auch?
Vor Jahren haben uns Missionare erzählt, wie ein Karen (Ureinwohner in Thailand) von den Drogen loskam: Er blieb solange alleine an einem Bach, bis er den Entzug überwunden hatte. Immer wenn ihn eine Schwäche oder sonst der Wahnsinn überkam, steckte er seinen Kopf in das kalte Wasser des Baches und betete nachher wieder weiter.
Der Mann hat mit Gott an seiner Seite gekämpft und überwunden.
Es gibt so viele Heilungswege wie es Leiden und Menschen gibt. Es gibt kein Patentrezept.
Aber Eines habe ich immer wieder erfahren:
Wenn ich heisse Punkte in meinem Leben anpacke und mit Gottes Hilfe im Gebet und im Gespräch mit einem guten Freund daran arbeite, komme ich immer an einen Entscheidungspunkt:
Entweder ich konnte die Sache mit meinem Willen und Gottes Hilfe bereinigen, oder ich musste kapitulieren und es taten sich dadurch für Gott neue Möglichkeiten auf, die vorher verschlossen waren.
Ich kann nichts verändern, ohne es versucht zu haben.
Ich kann nicht kapitulieren, ohne vorher gekämpft zu haben.

Schluss

Liebe Gemeinde, Gott hat viele Möglichkeiten uns und unser Leben zu verändern, uns Jesus ähnlicher werden zu lassen.
Lasst euch ein Beispiel nehmen an König David. Er hat mit Batseba, der Frau Urias Ehebruch begangen und dann Uria auch noch umbringen lassen. König David war also ein Mörder und Ehebrecher. Und Gott sagt über David: Das ist ein Mann nach meinem Herzen. Nicht weil er Ehebrecher und Mörder war, sondern weil er immer wieder mit reuigem Herzen umkehrte und seine Sünden bekannte. Er hätte Nathan auch noch umbringen lassen können. Andere Herrscher haben solches getan. Aber David hat die Schuld zugegeben und Gott hat ihn wieder angenommen und ihm die Sünden vergeben.
So sollst du auch vertrauen, dass Gott dich liebt und dir immer wieder deine Sünden vergeben will und wird. Dafür ist Christus gestorben.
Gott gibt uns folgendes Wort mit aus …
Philipper 2, 13: Er selbst bewirkt ja beides in euch: den guten Willen und die Kraft, ihn auch auszuführen.
Hier steht Beides in einem Vers, das gefällt mir. Wage es, auf dieser Grundlage mutig vorwärts zu gehen, damit sich Dinge in deinem Leben verändern können.
Mir kommt in diesem Zusammenhang die Fussball WM nochmals in den Sinn. Es gab viele torlose Spiele. Einige Spiele wurden im Penalty Schiessen entschieden, auch das Finale.
Es galt die Devise: Aufpassen, dass hinten nichts schief geht und hoffen, dass vorne vielleicht doch noch mit Glück etwas gelingt.
Eine WM lässt sich auf diese Weise nicht überzeugend gewinnen.
Für uns heisst das: Nur wer sich traut aus der Sicherheit herauszutreten um etwas zu wagen, wird mit Gottes Hilfe Veränderung erleben und ein erfülltes Leben gewinnen.
Amen.

Rolf Wildhaber - Hombrechtikon, 20. August 2006